Den mineralischen Mikrokosmos mit Fototechnik entdeckt

Den mineralischen Mikrokosmos mit Fototechnik entdeckt

Tiefenscharfe Einblicke eines Mineralienfotografen in die Kristallwelten der Erde

(J.H.) Wer einmal in die Welt der Mineralien und ihrer vielfältigen Kristallbildungen eintauchen durfte, den lassen sie oft nicht mehr los. So erging es auch Hartwig Stoya.

Der Staßfurter Bergingenieur i.R., langjähriger Technologe im Kalksteinbruch des Sodawerkes Staßfurt nahe der Stadt und aktives Mitglied der Fachgruppe für Mineralogie im Kultur- und Heimatverein in Magdeburg kann ein Lied davon singen.

Hartwig Stoya in seiner "Werkstatt"
Hartwig Stoya in seiner „Werkstatt“

Seit dem 11. Lebensjahr lässt den diplomierten Bergingenieur aus Passion und Berufung sein Hobby nicht mehr los. In Ergänzung zum Beruf nutzt er seine umfangreichen Kenntnisse aus dem Bergbau jetzt nicht mehr, wohl aber lässt er Interessierte aus seinem persönlichen Umfeld gern daran teilhaben.

Der Träger des Goldenen Diploms Hartwig Stoya hatte es vermocht, zahlreiche Staßfurter mit Ergebnissen seiner Sammelleidenschaft zu erfreuen. Dieses Diplom wird von seinem einstigen Studienort Bergakademie Freiberg für 50 Jahre Diplomabschluss bei Bemühen der Kommilitonen verliehen.

So kam im Lauf der Jahre zum Beruf die Berufung. Bis 1990 im Trennen, Schleifen und Polieren von Mineralien meisterlich geübt, taten sich auch für den Bergingenieur mit der Wende völlig neue, spannende Perspektiven auf. Gab es doch damit die Möglichkeiten, viele neue Mineralienlagerstätten zu besuchen, zu sammeln und noch tiefer in die Welt der Kristalle einzudringen. Damit begann auch der Aufbau einer großen Tauschsammlung und der Aufbruch in eine neue Zeit.

Sohn Martin, orthopädischer Maßschuhmacher zog es aufgrund besserer Perspektiven für Beruf und Arbeit nach Baden Baden, und Hartwig Stoya entdeckte für sich und seinen Sohn die Grube Clara im Schwarzwald mit einer ungeheuer großen Mineralienvielfalt.

Da bei Martin Stoya im 600 Kilometer entfernten Baden Baden gut Quartier zu machen ist, die Schwerspatgrube Clara nur etwa 95 Kilometer entfernt war, gab es für den leidenschaftlichen Mineraliensammler kein Halten mehr.

Ehefrau Anne, Lehrerin und Galeristin, schließlich Leiterin des Theaters Staßfurt war stets die treue Begleiterin und erlebte hautnah mit, wie sich Sohn Martin zu einem profunden Kenner der Mineralisation der Grube Clara entwickelte.

Die Entscheidung, neben der Betreuung einer aktiven Mineralien sammelnden Kindergruppe in Staßfurt, sich nun auch der Dokumentation der Mineralienfunde seines Sohnes zu widmen, fiel dem damaligen Pensionär in spe recht leicht. Sind doch die Kristalle im Mikroformat häufig viel schöner und vollkommener ausgebildet als die oft an den Kanten beschädigten größeren Stücke.

Segnitit auf Goethit mit Pharmakosiderit, Grube Clara, Bildbreite 5,0 Millimeter.
Segnitit auf Goethit mit Pharmakosiderit,
Grube Clara, Bildbreite 5,0 Millimeter.

Die selbst gebaute Mikrofotoeinrichtung, im Lauf der Jahre stetig verfeinert, lieferte nun Bilder in höchster Auflösung aus dem Zehntelmillimeterbereich. Dabei sind für ein Bild oft mehr als 100 Aufnahmen notwendig, die in einem aufwendigen Stackingverfahren zu einem Bild vereint werden.

Seit Jahren sind die Bilder, Kalender und Dokumentationen aus der Welt der Kristalle der Renner auf den Magdeburger Mineralienbörsen.

Auch am Sonntag, den 11. November 2018 von 10 bis 16 Uhr im AMO-Kultur- und Kongresshaus Magdeburg werden die Arbeiten aus dem Jahr 2018 wieder zu bewundern sein, während das makrofotografische Auge der Fachgruppe bereits die Exkursionen für 2019 plant.